Waldgarten Emkental

"Wenn man 100000 Londoner davon überzeugen könnte, nur 10 Obstbäume zu Pflanzen, dann wäre das eine Millionen Bäume - ein Wald. und wenn Programme zum Baumpflanzen in den städtischen Gebieten der Welt durchgesetzt würden, könnte eine neuer weltweiter Wald wachsen, der in gewissem Maße die Zerstörung des tropischen Regenwaldes kompensieren würde. Ich habe die Vision von Mini-Wäldern in Millionen von Hinterhöfen (Hart 1993)."

 "Waldgarten-Emkental" ist ein kleiner Bioland-Betrieb mit gotländischen Pelzschafen und einer Vielzahl an Gemüse- und Obst- / Wildobstsorten. Wir bewirtschaften knapp 8 Hektar Wiesen und Ackerland. Die zentrale Fläche erstreckt sich auf 4,5 Ha vom Emkental im Süden bis zum Kohlstädter Hassel im Norden. Als wir die Fläche gekauft haben, gab es im Süden 13 Pappeln und ein Heckenfragment zwischen Wiese und Acker, dass die Fläche etwa halbierte. Ein weiteres Heckenfragment gab es im Nordwesten. Mittlerweile wurden die Hecken so erweitert, dass rund um die Fläche  und auch als Binnendifferenzierung ein Heckenband sichtbar wird, dessen Lücken immmer kleiner werden. In diese Hecken integrieren wir eine Vielzahl von Wildobst von Haselnüssen über Aronia und Zierquitten, bis hin zu Mispeln und Walnüssen.  Der Betrieb ist als ökologisch wirtschaftender Betrieb im Anbauverband Bioland organisiert und regional vernetzt. Weitere Informationen zum Verband und zu weiteren Betrieben in der Region OWL finden Sie unter: www.bioland.de

Das "Waldgarten-Prinzip"

Die Waldgärtnerei geht auf Robert A. de J. Hart zurück, der den natürlichen Wald mit seinen drei  Vegetationsschichten als Vorbild  für eine Gärtnerei nimmt, die ein Mehr an ökologischem Gleichgewicht und Vielfalt herbeiführt. Mit Wald sind dabei aber nicht unsere mit Maschinen zu bearbeitende Monokulturen gemeint, sondern stabile Ökosysteme, in denen es zu einer intensiven gegenseitigen Vernetzung etwa zwischen Pilzen und Bäumen kommt, bei der die Bäume die Pilze versorgen und die Bäume sich gleichzeitig gegenseitig über Gefahren informieren und mit Nährstoffen gegenseitig unterstützen können (vgl. Wohlleben 2015).

"Der natürliche Wald mit seinen drei Vegetationsschichten - Bäume, Sträucher, Kräuter- ist das Vorbild für den Waldgarten. Ein Waldgarten lässt sich auch auf kleinen Flächen verwirklichen. Im eigenen Waldgarten besteht die Baumschicht aus Obst- und Nussbäumen, die Sträucher sind Beerensträucher und fruchttragende Büsche und in der Wildkräuterschicht wachsen mehrjährige Gemüse- und Kräuterpflanzen. Die unterschiedlichen Höhen der Vegetationsschichten erlauben es, für alle Pflanzen sehr gute Lichtverhältnisse zu schaffen. Im Waldgarten werden nur Gemüsearten angepflanzt, die sich von selbst wieder aussamen. Mit einer geschickten Pflanzenauswahl kann auf diese Weise ein sich weitgehend selbst erhaltender Garten geschaffen werden in dem es zudem möglich ist, fast während der gesamten Vegetationsperiode zu ernten (Rusch 2012, S.54)."

Auf unseren Flächen haben wir den Waldgarten schon in kleinen Bereichen etwa in unserm Hausgarten in der Lindenstraße unter zwei Linden und einer Eiche verwirklicht oder unter einer alten Baumreihe am Stielgarten und es ist sehr schön zu sehen, dass wir diese Flächen weitgehend sich selbst überlassen können. Wir können dort auch Kräuter wie Bärlauch, Waldmeister oder Giersch und verschiedenste Bäume für die Anpflanzung auf den anderen Flächen ernten. Auf anderen Flächen  etwa auf der Sommerbreite am Hasselholz überplanen

wir gerade eine 6000 Quadratmeter große Fläche, die bislang auschließlich als Acker bearbeitet wurde mit Heckenanpflanzungen, Obstbäumen, Beerensträuchern, Kräuter- und Gemüseflächen so, dass Hecken, Bäume und Büsche eine Schutzfunktion für den Erwerbsgemüseanbau auf einer kleinen, dann aber nur sehr viel weniger dem Wind ausgesetzten Fläche ermöglichen. Die einzelnen Elemente des Waldgartens sind hier (noch) nicht in dem Maße integriert, wie es etwa Hart oder Whitefield anstreben. So werden wir die entstandene Streuobstwiese mit unseren Schafen beweiden lassen müssen, ohne die wahrscheinlich die Sträucher wie Hartriegel und Co. Schwarzdorn die Wiese in kurzer Zeit übernehmen würden. Auch die zu pflückenden Beerenobststräucher brauchen eine dauerhafte Pflege ohne die es zu einer schnellen Verbuschung dieser Flächen kommen würde. In diesen Bereichen versuchen wir mehr und mehr Permakulturprinzipien zu realisieren, wie sie im östereischischen Kontext von den Holzers oder Rusch propagiert werden und im deutschen Bereich etwa von Burkhard Kayser. Auf der einen Seite stehen dann grundlegende Prinzipien der Permakultur, wie sie beispielsweise von den Holzers  beschrieben werden (vgl. auch den Text im Register Waldgarten-Denkarium)
und auf der anderen Seite stehen dann Überlegungen zur Verbesserung der Humuswirtschaft, um auch in einer biologisch und bäuerlich orientierten Landwirtschaft Erträge zu erzielen, die über eine Landwirtschaft zur Selbstversorgung hinausgehen .

Die Erhaltung und Entwicklung kleinbäuerlicher Strukturen entsprechen unserem politischem Anspruch ökologische, kleinräumige lokale  und vielfältige bäuerliche Produktion zu fördern und industrielle Landwirtschaft zu erschweren. "Ökologisches Wirtschaften ist auf kleineren Flächen mit geringeren Herdengrößen am leichtesten zu gewährleisten" (Fleischatlas 2016, S. 36) und "Wer kleine Felder hat, sucht die Wertschöpfung bei Wein, Obst und Gemüse"  (Fleischatlas 2016, S. 37).

Gesund essen heißt jedoch nicht in erster Linie Fleisch essen, sondern viel Gemüse und Obst  abwechslungsreich, frisch vom örtlichen Bauern, ohne den Zusatz von Pflanzengiften und Düngemitteln. Die Omega-3-Fettsäuren genießt man dann als Walnuß oder Leinsamen auf dem Feldsalat oder der entsprechenden Soße. Wer kennt noch Pastinake und Guten Heinrich oder lässt sich den Appetit von Liebstöckl und  Sauerampfer anregen. Liebstöckl kennen die meisten nur noch als Namensgeber für eine Würzmischung für klare Suppen und den Giersch aus den Erzählungen der Eltern als Notessen nach dem zweiten Weltkrieg und Feind des Gärtners und eben nicht als Urpetersilie mit der man wunderbar und feingehackt Salaten, Soßen und Gemüsen ein feines Aroma zum Abschluss hinzufügen kann.

Wir bieten unser Gemüse je nach Anfrage vom Feld, mit regelmäßiger Lieferung und nach einer Einweisung auch zum eigenständigen Ernten an.

Wir pflanzen kontinuierlich Obst (z.B. 78 Obstbäume bis Dezember 2016 weitgehend als Streuobstwiese), Wildobst und Beerenbüsche, um unsere Kunden und uns langfristig mit Äpfeln, Birnen, Zwetschgen, Quitten, Hagebutten, Schlehen ... versorgen zu können. So haben wir im Winter 13/14 z.B. Apfelbeerenbüsche (Aronia) und Zierquitten (Cido) gepflanzt für besonders gesunde und leckere Gelees und Säfte. Wir planen für die Jahre 2017/18 auf dem Schlänger Hassel ("Sommerbreite") die Obstbäume durch weitere Obstgehölze und Beerenobst zu ergänzen, um auf einer großen Fläche (ca. 6000 Quadratmeter) angelehnt an Permakultur- und Waldgartenprinzipien Gemüse,  Obst,  Wildobst und Kräuter anzubauen.

In den Jahren 2009 -2016 haben wir im Norden und im Westen dieses Stücks eine Hecke angelegt bzw. vervollständigt, so dass "Sonnenfallen" entstehen. Im Osten der Teilfläche haben wir 2010 eine zweireihige Lindenallee (Baumabstand 10 Meter) gepflanzt . Ebenfalls haben wir dort in der Fläche zwei Steinhalbkreise errichtet, die in gleicher Weise die Sonne für Kräuteranpflanzungen einfangen können. Vom Weltall aus können wir jetzt schon sehr schön sehen, wie unsere Bemühungen, die reine Ackerfläche zu untergliedern und verschiedene Klimazonen zu entwicklen, sichtbar wird. 

 

Quellen: 

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Sektorvorhaben Desertifikationsbekämpfung (CCD-Projekt)www.grund-zum-leben.de/themen

Hart, R.A.de J. (1993). Die Wald-Gärtnerei. Pala Verlag

Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin, www.boell.de/fleischatlas

Rusch, Margit (2012). Anders gärtnern. Permakultur-Elemente im Hausgarten. Staufen: Ökobuch-Verlag, 3.Aufl.

Whitefield,P.(1999). Das große Handbuch Waldgarten.Xanten: OLV 

Wohlleben, P. (2015) Das Geheime Leben der Bäume. München: Ludwig.

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Sektorvorhaben Desertifikationsbekämpfung (CCD-Projekt)www.grund-zum-leben.de/themen

 

 

Einblicke

Seit 2009 untergliedern wir die ausgeräumte Ackerfläche auf dem Hassel oberhalb von Schlangen im Kreis Lippe, indem wir etwa Hecken und Wildobst als Windfang anlegen oder unseren Reichtum an Kalksteinen für Steinmauern nutzen. Diese Steinmauern bieten dann wieder Sonnenfallen für Kräuter und Blumen.

 

Ausblicke

Vom Acker aus hat man einen Panoramablick vom Sauerland über die Paderborner Hochebene und Bad Lippspringe, die Senne und die Ausläufer des Teutoburger Waldes bis nach Bielefeld. Die angrenzenzende Wiesenfläche liegt als Magerrasenfläche in einem Landschaftsschutzgebiet und geht mit einem Hang in ein landschaftlich wunderschönes Muldental das "Emkental" über.

 

aktuelle Projekte

* Bau eines Gewächshauses und einer Scheune

* Anlage einer Streuobstwiese

* Ausweitung der Beeren und Wildobstbereiche

 

Termine

In 2017 unterstützen wir auf der Landesgartenschau in Bad Lippspringe als Mitglied des Naturgarten e.V. zusammen mit dem NABU die Anlage eines Naturgartens.

 

 

 

 

Schafhaltung

Ca. 13 bis 16 Muttertiere und ein Altbock der Gotländischen Pelzschafe erhalten unsere Magerwiesen und aus der Wolle entsteht Vlies zum Filzen oder zum Spinnen und  Wolle zum Stricken. Ein Teil der Lämmer und auch schon einmal ein Hammel werden geschlachtet. Lammfleisch und die Schaffelle verkaufen wir. Das Fleisch - besonders auch das der älteren Schafe-  zeichnet sich durch seinen zarten Wildgeschmack und auf Grund der ganz-jährigen und extensiven Freilandhaltung als besonders wertvolles Lebensmittel aus, dessen Gehalt etwa an Omega-3-Fettsäuren besonders hoch ist. Die Lämmer erreichen so ihr Schlachtgewicht nicht etwa durch Kraftfutter von Januar bis zum Osterfest, sondern auf unseren Wiesen über die verschiedenen Gräser und Blumen und Heu nach etwa 8-12 Monaten.

Hintergrundinformationen zu den Omega-3-Fettsäuren: http://www.ernaehrungs-umschau.de/media/pdf/pdf_2008/11_08/EU11_655_661.qxd.pdf

 

 

 

 

 

 

 

 

Logo der Europäischen Union

 

Förderung

Für unsere Projekte erhalten wir Fördermittel der europäischen Union:           - "ökologischen Landbau"                           - "Ausgleichszulage"

 

http://ec.europa.eu/agriculture/rural-development-2014- 2020/index_de.htm